Eeeee Macarena: Ankunft in Madrid

Ich finde, ich habe superschnell und professionell gepackt. Mit nur einem Handgepäck und einem Rucksack für Kindi und mich befinde ich mich in den oberen Ligaplätzen der Wenig-Mitnehmer und bin sehr stolz darauf. Ich bestelle ein Taxi und es kommt erwartungsgemäß zu spät, so dass Kindi und ich noch die Gelegenheit nutzen, uns vom deutschen Regen befeuchten zu lassen, während wir draußen warten.

Noch bevor wir die erste Ampel erreicht haben, fragt Kindi, wann wir endlich in Spanien sind. Auch der Taxifahrer möchte, dass wir schnell da sind und gibt ordentlich Gas, in Kurven fährt er ungebremst rein und daher kommt ungebremst die Morgenmilch aus Kindi raus. Ich verreibe schnell das Erbrochene in die Fußmatten, man sieht nichts mehr, aber der Geruch bleibt für immer.

Am Check-in Schalter sagt mir der Iberia-Mann, ich müsse eine Genehmigung vom Mann haben, damit ich mit Kindi alleine verreisen kann. Ich denke, es ist ein Scherz und lache. Er wiederholt den Scherz, ich lache nochmal. Er lacht nicht, da merke ich, er meint es ernst. Anscheinend gibt es eine international nicht befolgte Regel, dass eine Genehmigung des Ehepartners vorliegen muss blabla. Ich kontere mit Ahnungslosigkeit und wende ein, dass dieses eine neue Regelung sein müsse. Er sagt: „Die Regelung gibt es seit 20 Jahren.“ Irgendwie lässt er mich aber „ausnahmsweise“ ziehen.

Wir werden mit Bussen zum Flieger gebracht. Kindi fragt, wann wir endlich da sind. Der Flieger ist vollgestopft. Weil die Lufthansa-Piloten wegen der wirklich unzumutbaren Arbeits- und Lohnbedingungen streiken, sind alle auf Iberia umgestiegen. Neben uns sitzt der der höflichste Mensch, der mir je im Leben begegnet ist. Es ist ein Geschäftsmann aus Belgien, der ständig „Danke“, „Bitte“ sagt und sehr zuvorkommend ist. Kindi und ich benehmen uns und es wird weder gekotzt noch gerülpst. Kindi fragt in 10-Minuten-Takt, wann wir endlich da sind. Wir lesen Sponge Bob und Hello Kitty. Kindi sagt, Sponge Bob sei ein Käse. Ich widerspreche nicht.

Der Pilot macht alle Durchsagen auf Spanisch. Aber irgendwann identifiziere ich ein englisches Wort. Tatsache! Das war ja immer englisch, was der gesprochen hat!

Endlich angekommen, streben wir zum Ausgang. Ich sehe schon vom Weiten zwei alte Leute winken und hüpfen. Es sind Schwiegers. Kindi wird überschwänglich begrüßt. Ich nur schwänglich. Wir gehen zum Parkhaus. SchwiegerM fragt nach Befinden und so, aber während ich antworte, redet sie von etwas Anderem (Obstpreise, Hühnersuppe). Meinetwegen.

Das Auto finden wir schnell, diesmal haben sie sich den Platz aufgeschrieben. Schwiegervater holt das Navi raus und tippt verschiedene Funktionen an. Eigentlich will er aber nur die Adresse eingeben. Die gleiche Straße gibt es wohl auch in Mexiko und in anderen lateinamerikanischen Ländern sowie gleich zweimal in Madrid. SchwiegerV tippt eins an, nach welchem Prinzip, weiß ich nicht. Wir fahren aus dem Parkhaus raus, Schild zeigt: Madrid rechts, das Navi sagt: Madrid rechts. Schwiegervater fährt geradeaus.

Er erweist sich als großer Navi-Anarchist. Er befolgt keine Anweisung und auch Schilder interessieren ihn nur, nachdem wir daran vorbei gefahren sind: „Da hätten wir hin gemusst.“. SchwiegerM stößt spitze Schreie aus dem Hintergrund aus und gibt Hinweise, die dem Navi und SchwiegerV widersprechen. SchwiegerV ist irritiert und überfordert. Er wechselt Spuren, setzt Blinker, beschleunigt, bremst ab, fährt aber immer im dritten Gang. Warum, weiß man nicht. Dabei bewegt er ständig das Lenkrad auf gerader Strecke, so wie Colt Seavers früher in „Ein Colt für alle Fälle.“ Ich muss irgendwie daran denken, dass ich keine Patientenverfügung habe und kontrolliere, ob wenigstens der Organspenderausweis dabei ist.

Anscheinend sind wir mittlerweile im richtigen Stadtviertel angekommen, jetzt gilt es nur noch, die richtige Ausfahrt zu finden. Das gelingt nicht auf Anhieb, wir fahren mehrfach im Kreis, SchwiegerV legt Wendemanöver der Meisterklasse hin (rückwärts, bergauf in eine befahrene Straße). Irgendwann fahren wir aber in eine Tiefgarage und parken. Wäre ich Christ, hätte ich drei Kreuze geschlagen, so freue ich mich einfach so. Beim Aussteigen entdecke ich ein Schätzchen, ein uralter Renault und mache schnell ein Foto. Wir fahren dann mit dem Aufzug hoch.

2 Gedanken zu “Eeeee Macarena: Ankunft in Madrid

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s