Hier winkte La Leti: Tag 2 in Madrid

Die Betten sind bezogen, die entstandenen Staubwolken behindern die Sicht etwas, aber nach einiger Zeit entdecke ich einen Mini-Altar am Kopfende des Bettes. Es ist Jesus, der immer ein wachsames Auge auf Cousin hatte. Als die Abbildung entstand, gab es Conchita Wurst noch nicht. Aber ich muss in dem Moment und in den folgenden Tagen an die Ähnlichkeit denken und weil ich keine Blasphemistin bin, verkneife ich mir einen Witz.

Wir schlafen und werden wohlig warm vom Staub zugedeckt. Am nächsten Morgen scheint die Sonne und bringt mein Raum-Jahreszeit-Kontinuum völlig außer Kontrolle. Aus dem Fenster sieht man Palmen im Frühdunst und Obdachlose im Garten, auch im Frühdunst. Es sind drei Männer, die ziemlich viel Spaß zu haben scheinen. SchwiegerM bringt mir Kaffee ans Bett und in Gedanken gebe ich ihr einen Pluspunkt. Es gibt Frühstück und die Pläne für den Tag werden besprochen. Mein Plan sah vor, dass ich Kindi bei Schwiegers lasse und die Stadt erkunde. Dieser Plan ist nicht konform mit den Plänen des Ältestenrates. Der sieht vor, dass SchwiegerM, SchwiegerV, Onkel und seine Freundin Kindi und ich gemeinsam die Stadt besuchen. O.K. dann machen wir das so. Nicht, dass ich mich entschieden hatte.

Onkel trägt übrigens ein Pflaster auf der Nase und sieht ziemlich verwegen aus. Als ich höre, warum er denn dieses Pflaster trägt, sehe ich ihn in einem anderen Licht. Er ist beim Verlassen des Autos mit dem Fuß am Kabel des Navigationssystems hängen geblieben und ist mit dem Gesicht zuerst ausgestiegen. Dabei ist seine Brille kaputt gegangen und hat ihn auf der Nase geritzt.

DingDong, die Freundin ist da. Sie hat sich wieder schick gemacht und  einen orangefarbenen Lippenstift ungefähr in der Nähe der Lippen großzügig aufgetragen. Onkel selbst ist sehr adrett und braucht ziemlich lange im Bad. Er duftet gut und ist sehr gut angezogen. Die beiden begrüßen sich und wir schauen alle etwas peinlich berührt weg.

Wir gehen jetzt wohl in die Stadt, aber mindestens eine Person der Gruppe ist entweder nicht auffindbar, auf Toilette, Brot holen oder telefonieren. Irgendwann schaffen wir es, geschlossen das Haus zu verlassen und gehen zu Bushaltestelle. Die Straße wird neu geteert und ich als ich sehe, dass Männer mit bloßen Händen und ohne jegliche Schutzkleidung schwere Arbeiten verrichten, frage ich mich unwillkürlich nach der durchschnittlichen Lebenserwartung der Spanier.

An der Bushaltestelle stellt man fest, dass der Bus aufgrund der Baustelle nicht mehr dort halten kann. Ob und falls ja, wo er hält, ist Diskussionsthema der immer größer werdenden Gruppe an der Haltestelle. Verschiedene Routen und Möglichkeiten werden in Betracht gezogen, ein paar Bauarbeiter und mehrere Senioren beteiligen sich angeregt an dem Gespräch. Irgendwann kommt aber ein Bus aus einer völlig undiskutierten Richtung und wir steigen ein.

Der Bus ruckelt, schüttelt, driftet, hupt. Ich denke, der Busfahrer ist entweder Spanienmeister im Cartfahren oder passionierter Achterbahnführer. Zu allem Überfluss riecht es im Bus nach Benzin. Mir wird ganz übel, aber ich werde von SchwiegerM fachkundig zu den Sehenswürdigkeiten informiert: „Hier ist ein Park.“, “Das ist ein großer Park.“ „Hier war Mal ein Park.“ Ich wusste gar nicht, dass Madrid so grün ist.

Als wir irgendwann ankommen, sortiere ich meine Organe. Huui, Busfahren ist nicht so mein Ding!

Wir besuchen den königlichen Palast. Die Sehenswürdigkeit dieser und anderer Orte liegt darin begründet, dass „La Leti“ (mittlerweile Königin Letizia) ihre Hand aus einem der vielen Fenster hielt. Diese Fenster werden mir alle gezeigt mit der Information, zu welchem Anlass La Leti hier wunk. Winkte.

Plötzlich kommen kostümierte Männer auf Pferden angeritten. Kindi hat sie sofort identifiziert: „Mama, ganz viele Sankt Martin!“ Es ist aber eine Show der königlichen Leibgarde. Einer geht vor, schreit etwas und macht Verrenkungen und die anderen machen es nach. Ich muss irgendwie an Thriller von Michael Jackson denken, es ist aber eine Militärübung. Nachher kann man Fotos machen, ich versuche auch eins. Im Selfie-Schießen bin ich aber schlecht und die Sonne blendet, deshalb sind dann leider nur die Hufe der Pferde drauf. Schade.

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