Kennt ihr Uwoassa?

Auch auf der Rückfahrt werde ich von Todesängsten begleitet, aufgrund einer Baustelle kann Onkel den gewohnten Weg nicht nutzen, das macht seine Fahrweise noch unberechenbarer. Seit Tagen wird nämlich eine Straße geteert, immer und immer wieder. Mal die rechte Seite, dann die linke Seite, dann beide Seiten zusammen. Ist wohl eine spanische Technik.

Warum auch immer, Onkel verfährt sich in seinem eigenen Viertel! Anscheinend eine Schmach für einen so routinierten und ehrenvollen Autofahrer, der immerhin seit 40 Jahren im zweiten Gang durch Madrid fährt. Wie er auch lenkt und wendet, immer wieder stoßen wir auf Einbahnstraßen und Baustellen. Das erste Mal höre ich Onkel fluchen und zwar ganz schlimme Flüche. Irgendwann, ca. 26 Wendemanöver später, erreichen wir Onkels Haus.

Ich bin geschafft, aber es gibt noch Abendprogramm. Kaum in der Wohnung angekommen, greift SchwiegerM zum Telefon und informiert Cousins, Cousinen und diverse Schwestern über die Einzelheiten unseres Tantenbesuchs. Besonders hervorgehoben wird, dass ich Tantes Eintopf gegessen hab. Im Gegenzug informieren die Cousins, Cousinen und Schwestern SchwiegerM darüber, was sie zu Mittag gegessen haben und über ihre Pläne am Abend (Abendessen).

DingDong. Die Nachbarin ist da. Heute trägt sie einen pinkfarbenen Lippenstift, den sie in kubistischen Formen in der von ihr vermuteten Nähe der Lippen aufgetragen hat. Die Nachbarin ist aufgeregt, denn sie hat ein neues Handy. Sie möchte unbedingt Textnachrichten mit ihrem Sohn austauschen, aber weiß nicht, wie Uwoassa funktioniert, ob ich denn nicht helfen könne. „Was ist den Uwoassa?“ frage ich. „Damit kann man doch Nachrichten und Bilder schicken! Du machst das doch auch!“. „Hmm? Nee, kenne ich nicht!“ Ich vermute eine spanische Nachrichten-App. Die Nachbarin zeigt sie mir auf ihrem Smartphone. Ich kenne diese App! Für einen Moment bin ich irritiert, blockiert, total durcheinander. „Aber das ist doch WhatsApp!“ rufe ich aus. „Ja, genau!“, sagen die Alten, „Uwoassa!“ Da soll Mal einer drauf kommen!

Ich erkläre ihnen die Grundzüge der App, SchwiegerM hört fleißig zu und ich befürchte das Schlimmste. Ich bin mit meinem Workshop noch nicht zu Ende, da sehe ich, wie die etwas in die Jahre gekommenen und daher ungelenkigen Finger der Nachbarin auf dem Display ungeschickt rumgleiten. Zack! hat sie schon dem Sohn die erste Nachricht geschickt und Zack! die zweite und die dritte.

Ping! Kommt die Antwort vom Sohn: „Liebe Mama, ich würde dich besser verstehen, wenn du mir Nachrichten auf Spanisch schriebest.“

 

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