Der schwüle Sommerwind im Dortmunder Hafen (Vac-Woman 1)

Marisa kam aus dem Ruhrgebiet, sie war hier geboren und aufgewachsen. Bis auf kurze Strandurlaube in Holland hatte sie die Heimat kaum verlassen. Auch ihre Mutter stammte aus dem Pott, eine starke, schöne Frau, die man als „Kämpfernatur“ bezeichnen würde. Ihren Vater hat Marisa nie kennen gelernt, sie wusste nur, dass er einen Migrationshintergrund hatte, der ihr einen üppigen Damenbart beschert hatte. Jeden Morgen, wenn sie ihn abrasierte, verfluchte sie ihren Erzeuger.

Ihr Vater hatte ihre Mutter verlassen, als er erfuhr, dass sie schwanger war. Er gaukelte ihr Freude vor und sagte, er ginge los, um Sekt zum Feiern zu besorgen. Nach zwei Wochen erhielt Marisas Mutter eine Postkarte aus Kiel, in der ihr Vater bekundete, dass es ihm leid täte, aber er könne sich jetzt nicht um eine Familie kümmern. Er wolle sich noch selbst verwirklichen und als Schlagersänger durchstarten. Sein selbstgeschriebener Song über einen schwülen Sommerabend im Dortmunder Hafen war in den Kneipen der Nordstadt gut angekommen. Er war sich sicher, mit diesem Lied deutschlandweit durchstarten zu können. „Meine Stunde wird noch kommen!“ soll er immer gesagt haben. Auf iTunes fand Marisa den Song nie, aber auch in Bravo und Popcorn fand sie keine Notiz über einen Hit dieses Inhalts.

Obwohl Marisa immer wieder nachgefragt hatte, hielt sich Marisas Mutter über den Verbleib ihres Vaters bedeckt. Sie schien auch keinen Groll zu hegen und sich mit der Situation gut abgefunden zu haben.

Marisa aber konnte nicht abschließen. Sie wollte ihren Vater kennen lernen. Vielleicht war er mit einem anderen Hit berühmt geworden? Sollte sie einen erfolgreichen prominenten und reichen Vater haben? Regelmäßig las sie die Klatschzeitschriften und suchte in den Gesichtern der abgebildeten Prominenten eine Ähnlichkeit mit sich zu finden. War es vielleicht Robert Weiß, der spaßige unter den Schlagersängern?

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