„Das klappt nicht“ ist das Chakka! meines Vaters

Es wurde schon bemerkt, dass die Skurrilitäten, die ich mit meiner Schwiegerfamilie erlebe, diesen Blog ganz gut füllen. Ja, in der Tat, bis an mein oder zumindest ihr Lebensende könnte ich diesen Blog mit Geschichten über Erlebnisse füllen, die mich frustrieren und euch amüsieren.

Aber hat sich denn keiner gefragt, was mit meiner Familie ist? Allein für die bizarren Aktionen meines Vaters müsste ich eigentlich einen neuen Blog aufmachen und Co-Autoren engagieren. Ich möchte, dass bei dem Wikipedia-Eintrag für „Kauz“ nicht ein Vogel, sondern das Bild meines Vaters hinterlegt wird, ich starte bald eine Online-Petition dafür. Er hält einfach nichts von Konventionen, ein Ur-Punk quasi, und die Stationen seines Lebens haben dem Eigensinn und der Freiheitsliebe noch besondere Würze verliehen.

Jedes Mal, wenn ich meinen Vater  treffe, hat er neue Pläne. Ich konnte sie mir nicht alle merken (das ist unmöglich), ich weiß aber noch, wie er eine Pferderanch aufmachen wollte (noch nie im Leben geritten), ein paar Monate später ein Schulschiff betreiben wollte (er wird seekrank) und dann nach Südamerika auswandern wollte (spricht kein Wort spanisch).  Einmal wollte er eine riesige Statue töpfern (ich glaube, so groß wie der Michelin Mann in Ghostbusters) und da sollten dann Leute drin Musik in verschiedenen Sprachen machen oder so.

Zum Glück sind diese Pläne aus verschiedenen Gründen nicht in Angriff genommen worden. Andere Pläne, die aus der Sicht vieler vernünftiger Menschen auch keinen Sinn ergaben, hingegen schon. Den Startschuss für viele Projekte aus der Hölle geben unbewusst wohlmeinende Menschen aus seinem Umfeld. Erst hören sie ihm ernsthaft zu und versuchen, den Plänen meines Vaters in ihrem Kopf einen Sinn zu geben. Sie scheitern natürlich und versuchen ihn dann mit vernünftigen Argumenten von der Unrealisierbarkeit und Sinnlosigkeit des Vorhabens zu überzeugen. Auch hier scheitern sie und dann spricht jemand die unheilvollen drei Wörter aus, die die Motivation meines Vaters erst recht anheizen: „Das klappt nicht.“

Folgendes trug sich einmal zu:

Mein Vater besitzt einen kleinen Garten hinter dem Haus. Der Garten sieht immer recht wüst aus, so als wäre gerade ein Tornado über ihn hinweggefegt und hätte nichts außer Gestrüpp und Sperrmüll hinterlassen. Der Garten wird umsäumt von Bäumen, die vor langer Zeit mal vom Vormieter gepflanzt worden sind. Aufgrund mangelnder Pflege sind die meisten aber verkümmert und geben dem Garten den gebührenden trostlosen Rahmen. Jetzt könnte man natürlich Rasen mähen, Sperrmüll wegbringen, ein paar Blümchen pflanzen, damit der Garten freundlicher wirkt. Mein Vater sah aber die Priorität woanders und zwar in dem Entfernen einen Baumstumpfes der niemanden etwas zuleide tat. Warum nur?

Der Baumstumpf hat noch starke Wurzeln in der Erde, das wird meinem Vater klar, als er versucht, ihn mit bloßer Manneskraft zu entfernen. Alleine schafft er es nicht, also ruft er ein paar Nachbarn herbei, die alle gemeinsam an einem Strick den Stumpf aus dem Boden ziehen sollen. Die Nachbarn ahnen nichts Gutes, bei der letzten Gartenaktion meines Vaters gab es einen Hexenschuss, eine ausgekugelte Schulter und Beulen. Trotzdem möchte man nicht nicht hilfsbereit erscheinen und es finden sich mehrere Männer und schaulustige Ehefrauen und Kinder im Garten ein.

Mein Vater hat ein Tau um den Baumstumpf gelegt und alle Männer sollen jetzt daran ziehen und den Stumpf zumindest etwas aus der Erde lockern. Es ist aber vergebens, der Stump ist einfach viel zu stark verwurzelt. Die Nachbarn winken ab, sie sehen die Aktion als abgeschlossen an. Aber ein Nachbar murmelt unbedacht einen Satz, der zum Auslöser für ein weiteres Desaster im Leben von Vater G wird. Der Nachbar sagt nämlich: „Das schafft nur ein Traktor.“ „Ja! Das ist es!“ ruft mein Vater begeistert aus. „Ich mache das mit dem Auto!“

Die Nachbarn sind geschockt. Es führt kein befahrbarer Weg in den Hintergarten,  Rasen, Mauerwerk und Blumenbeete würden Schaden nehmen, sie halten diese Aktion für unverhältnismäßig. Und da passiert es: Einer der Nachbarn spricht die drei unheilvollen Wörter aus: „Das klappt nicht!“. Der Antrieb meines Vaters macht einen rasanten Satz nach oben. „Ich hole die Autoschlüssel!“ sagt er und rennt davon.

Die Nachbarn bleiben voller Sorge zurück. Sie kennen meinen Vater gut, aber das würde er sich doch nicht trauen oder? Er wird doch nicht wirklich..?

„WRRRRRRNNNN“  heult der Motor des Opels auf.

 

Fortsetzung folgt…

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