„Das klappt nicht!“ Teil 2

Die Nachbarn sind entsetzt, einige laufen auf das Auto zu, um es zu stoppen, einige bringen sich in Sicherheit, die schaulustigen Draufgänger aber bleiben stehen und sind gespannt, was als nächstes passiert. „Das bringt doch nichts! Lass es bleiben!“ sagen die Vernünftigen in dem Pulk. Vater kurbelt das Fenster runter: „Vertrau mir, ich weiß was ich tue!“. „Du machst doch den Rasen kaputt!“ sagen andere. „Das wächst doch schnell wieder nach!“ entgegnet mein Vater. Er ist von seinem Vorhaben nicht abzubringen.

Er fährt los, erst auf den Bürgersteig, dann ein Stück über Herrn Wagners Tulpenbeet und streift dann mit dem Autodach die aufgehängte Weißwäsche von Frau Bender. Bei den Mülltonnen wird es etwas eng. Entweder der Magnolienbaum oder die gelbe Tonne müssten weichen. Aber das ist viel zu umständlich für Vatta, sein Tatendrang lässt es nicht zu, dass er jetzt rumjustiert, also fährt einfach weiter. „Krrrack. Knack. Knackknack.“ machen die Äste des Magnolienbaums. „Trrrontrrontoktokk“ macht die gelbe Tonne, als mein Vater ihr beim Vorbeifahren einen Totalschaden hinzufügt. Der Rasen unter den Reifen sagt nichts, er segnet geräuschlos das Zeitliche.

So, Vatta ist vor dem Baumstumpf angekommen. Die Nachbarn stehen mit offenen Münder da. Manche sind begeistert von seiner Verwegenheit, andere erwägen, das Ordnungsamt zu  rufen. In jedem Fall aber ist die Zahl der Schaulustigen gestiegen, das gibt meinem Vater noch mehr Antrieb. Er kommt sich etwas vor wie der Marlboro-Mann.

Siegesgewiss steigt er aus dem Auto und geht Richtung Baumstumpf. Er nimmt das lose Ende des Stricks und befestigt es an der Anhängerkupplung des Autos mit einem Doppelknoten. „Und das soll halten?“ fragt ein Zuschauer. „Ich weiß, was ich tue.“ sagt mein Vater kühn und ruppig, so wie er es aus den John Wayne Filmen kennt. Er legt den ersten Gang ein und gibt Gas.

„GRRRRTSCHAAAAKKKKK“ macht das Seil als es reißt. Wie eine Peitsche schwingt es über den Köpfen der Zuschauer und nur der Zufall will, dass niemand verletzt wird. Vatta steigt aus. Er stemmt die Hände in die Hüften und schaut sich den gerissenen Strick an. „Hmm, das war wohl schlechte Qualität.“  meckert er. „Gib’s auf!“ rufen Stimmen aus der Gruppe. „Das klappt nicht!“.  Genau das wollte Vatta hören. Er läuft schnell in den Keller und sucht nach einem neuen Strick.

Fortsetzung folgt

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