Döner trifft Schützenhalle oder die Albtraumhochzeit.

Wie es halt so ist (für Hintergrundinfos s. Was macht du? Ich geh Hochzeit), sind wir zu der Hochzeit  von der Cousine der Kollegin der Nachbarin unseres örtlichen Türken eingeladen und weil man es sich mit dem nicht verscherzen möchte (frisches Obst und so), gehen wir mit einigen Leuten, die wir aus unsere Familie auftreiben konnten, dorthin.  Die Hochzeit findet in der Hubertushalle oder so statt und zwar in dem Vorort eines Vorortes, ich glaube U2 schrieben den Song „Where the streets have no name“ nach dem sie Breckerfeld in Westfalen besuchten. Auf dem Weg zur Hubertushalle werden die Straßen mit jedem gefahrene Kilometer schmaler und wilder. Das letzte Stück fahren wir auf einem Feldweg, auf dem kurz vorher ein Trecker gefahren sein muss, rechts und links schauen uns mampfende Kühe von ihren Wiesen an.

Wir kommen auf dem Vorplatz der Schützenhalle an. Viele Autos der Fabrikate Mercedes und BMW stehen dort geputzt und geschmückt, die meisten tiefergelegt. Anscheinend sind wir schon spät dran, die Festivität scheint in vollem Gange.

Wir öffnen die schwere Hallentür zu dem Vorraum und stehen im Nebel. Im Vorraum haben sich 50-60 Männer versammelt und rauchen. Ich werde nie vergessen, wie sie uns angeglotzt haben und wir haben zurück geglotzt. Ich glaube, das waren die Männer der Kategorie Chuck Norris. Kerle, die Hochzeiten für Weiberkram halten und so. Vielleicht war das auch gar nicht Zigarettenrauch, sondern Testosteronausdünstung.

Schnell weg! Von der Vorhölle in die Hölle. Wir betreten einen Saal, der den Charme eines Bunkers hat. Neonstrahler lassen den Raum in einem trostlosen Licht erscheinen, von den holzvertäfelten Wänden grüßen uns ausgestopfte Wildschweinköpfe und Plaketten von den Schützenbrüdern. Aber was ist das? Ich will mich schützend auf den Boden werfen, aber es ist nur die Musik, die losging.

Die „Musik“ überlagert für einen Moment den Sehsinn und beansprucht jegliche Aufmerksamkeit. Ein Alleinunterhalter haut in die Tasten und simuliert die Geräuschkulisse einer türkischen Bigband. Melodie und Text- egal! Hauptsache Krach. Getanzt wird aber nicht. Auf der „Tanzfläche spielen Jungen Fangen und machen Karateübungen. Die Mädchen drehen sich mit ihren Kleidern, bis sie schwindelig zusammenstoßen und weinen.

Der Raum ist wahrscheinlich ausgelegt für 200 Personen, es befinden sich ca. 300 Personen drin, plus Kinder,so 60 – 100 Stück, würde ich aus meiner Erinnerung sagen. Bierbänke und Tische sind so eng zusammengestellt, dass -einmal einen Sitzplatz gefunden- ein Fortkommen nicht mehr möglich ist.

Irgendjemand, der uns erkannt hat, fordert aber bereits anwesende auf, noch enger zusammenzurücken. Nur widerwillig bewegen sich ein paar Gäste 1-2cm, so dass wir auch einen Platz auf der Bierbank finden. Die „Tischdecke“ ist aus durchsichtigem Papier, ihre Funktion hat sie schon lange aufgegeben. Aus Langeweile haben Kinder kleine Fetzen herausgerissen, Kügelchen geformt und bewerfen sich damit. Vor mir befindet sich ein großes Loch und ich kann auf den orangefarben Biertisch gucken, auf den jemand einen Penis geritzt hat.

Fortsetzung folgt

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