Lecker Essen aus dem Bananenkarton oder die Albtraumhochzeit.

Fortsetzung von Albtraumhochzeit. Kein Ende in Sicht.

Eiligen Schrittes nehmen die Männer Kurs auf die Tische. Aber könnten Sie von uns wollen? Und was ist in den Kartons drin und warum tragen sie Kartons auf der einen Schulter? Alle diese Fragen werden flugs beantwortet als der erste Kartonträger mit der rechten Hand in den Karton auf seiner rechten Schultern hineingreift und ein Lahmacun (sprich: Lach-ma-dschuun) herausgreift und einem Gast wortlos auf den Tisch knallt.

Ich übersetze:

Grimmige Männer = gastronomisches Servicepersonal

Lederblousons = Universal einsetzbare Dienstkleidung, auch für das Taxifahren gut geeignet

Bananenkartons = Servicegeschirr

Man gibt sich minimalistisch, auf überflüssige Details wie Teller und Besteck hat man verzichtet. Die grimmigen Männer gehen durch die Reihen und knallen jeden Gast einen Fladen hin. Ich bin an der Reihe, mir wird ein besonders fleischarmer Fladen zuteil, dafür ist der Teig so dick wie ein LKW-Reifen. Ich schau das Exemplar an, aber es will sich einfach kein Appetit einstellen. Die dicke Mama neben mir registriert das sofort. „Isst du das nicht?“ fragt sie mich. „Ich, ich..“ Ich habe keine Gelegenheit zu antworten. Sie packt ein Taschentusch aus ihrer Woolworth-Tasche, umwickelt mein Lahmacun damit und steckt das Paket ein. Ich bin fassungslos.

Ich habe aber keine Chance mich von der letzten Irritation zu erholen, es kommt die Geschenk-Zeremonie. Das Brautpaar stellt sich auf die Bühne und wird von den Gästen mit Geld und Gold behängt. Ein Moderator sorgt für Transparenz, indem er die Geldbeträge in ein Mikrofon schreit und das Publikum zu Applaus zwingt. Klingt surreal, nicht? Ist aber real.

Das lustlose Paar bewegt sich auf die Bühne und stellt sich mit seinen mittlerweile nur noch reglosen Gesichtern mittig hin. In dem Moderator erkenn ich den Patrioten, der die Türkei Fahne geschwungen hatte. Diese hängt er sich jetzt um die Schultern, wie es ein guter Patriot eben tut.  Ich glaube, er ist ein professioneller Bühnenstürmer und Geschenkzeremonienmoderator. Ein Multitalent eben.

Ein Verwandter oder so betritt sie Bühne, flüstert Identität und Höhe des Geldbetrages in das Moderatorenohr und befestigt einen 100 Euro-Schein an dem Band, das die Braut für diesen Zweck tragen muss. Der Moderator: „Von Onkel Mehmet gibt es 100 Euro! Applaus liebe Freunde! Applaus, Applaus!“ So wie Kermit. Die Frau von Onkel Mehmet klatscht besonders laut, alle anderen mäßig. Mit jedem Beschenkungsgang nimmt das Interesse der Gäste ab und niemand mag mehr klatschen. Das verärgert den Moderator sehr.  Er lässt seinem Unmut freien Lauf und schreit:“Das ist sehr unhöflich von euch. Ich bitte euch doch nur ein bisschen Applaus. Ist das denn zu viel verlangt?! Anscheinend ja, denn niemand schert sich. Das trifft ihn hart und er legt nach zwei weiteren gescheiterten Animationsversuchen das Mikrofon nieder und verlässt beleidigt die Halle.

2 Gedanken zu “Lecker Essen aus dem Bananenkarton oder die Albtraumhochzeit.

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