Mutprobe

Für gewöhnlich ist Lotte G ein gewöhnlicher Mensch. Gewöhnliche Maße und gewöhnliches Aussehen, gewöhnliche Angewohnheiten, heterosexuell und politisch irgendwo mittig einzuordnen. Nur ihr Beruf, nämlich der der Künstlerin, ließ sie manchmal außer der Reihe tanzen. Ihre Fans gierten nach den außergewöhnlichen Ereignissen in ihrem Leben, die sie so wundervoll in ihren Geschichten und Kunstwerken nachstellte. Sie musste sich aber schon oft einiges abringen, ja fast waren es Mutproben, die sie ablegen musste, um Stoff für ihre Kunst zu haben.

Auf vielfachen Wunsch von mir schreibe ich an dieser Stelle weiter. 

Also, Lotte G, die experimentell

Ich muss jetzt aufhören, der Chef kommt gerade rein.

Die Möhre ist ganz meinerseits

Nachdenklich wirkt Lotte G, als Melanie Mehlig sie nach etwas längerer Zeit zum Interview trifft.

Melanie Mehlig: Frau G, Sie wirken heute etwas nachdenklich.

Lotte G: Ja.

Melanie Mehlig: Wie kommt das?

Lotte G: Ich denke viel nach in letzter Zeit.

Melanie Mehlig: Und worüber?

Lotte G: Ach. … Der Mensch ist so fehlbar.

Melanie Mehlig: Wie kommen Sie darauf? Gab es ein Erlebnis?

Lotte G: Ja.

Melanie Mehlig: Und welches?

Lotte G: Also, das war so: Ich war eingeladen, zu einem Empfang, auf dem auch der Oberbürgermeister Herr Duselmin anwesend war. Ich hielt es für eine gute Idee, mich ihm vorzustellen, um über mein neuestes Kunstprojekt zu sprechen. Wissen Sie, ich möchte aus 1000 Möhren eine einzige große Möhre schaffen. Dies ist ein Protest gegen die Wegwerfgesellschaft. Und weil ich als große leidenschaftliche Künstlerin dermaßen in meinem Projekt verwoben bin kam es zu einem etwas dummen Versprecher meinerseits. Seitdem registriere ich amüsierte Gesichter in meiner Anwesenheit. Dies schädigt mein Ansehen als sozialkritische Künstlerin. Ich weiß nicht, wie ich weiter machen soll.

Melanie Mehlig: Was sagten Sie?

Lotte G: Ich stellte mich Herrn Duselmin vor und sagte: „ Herr Duselmin, es ist mir eine große Möhre.“

Melanie Mehlig: Gnnnnhihi..ähem..Und was sagte er?

Lotte G: Er sagte: „Die Möhre ist ganz meinerseits.“ Ich weiß bis heute nicht, was ich mit dieser Antwort anfangen soll.

Melanie Mehlig: Gnnnnnhihi

Lotte G: Lachen Sie?

Melanie Mehlig: Neinnn.. gnnnn… Wirklich nicht!

Lotte G: Ich kann genau sehen, wie Sie das Lachen unterdrücken! Sie sind genau wie alle anderen! Ich bin eine ernstzunehmende Künstlerin! Wie können Sie über mich lachen!

Dieses Interview ist beendet! Nie möhr..äh..mehr werde ich mit Ihnen sprechen!

Schweigen ist Gold: Interview mit Lotte G

Lotte G wirkt traurig diese Tage. Melanie Mehlg traf sie exklusiv zum Interview am Dortmunder Borsigplatz. Hierhin zieht sich Lotte G zurück, wenn sie nachdenken will.

Melanie Mehlig: Lotte G, man hat sie in letzter Zeit mit einem traurigen Gesichtsausdruck gesehen. Sie sollen auch in der Öffentlichkeit geweint haben.

Lotte G: So ein Quatsch! Ich hatte gerade Zwiebeln geschnitten.

Melanie Mehlig: Am Düsseldorfer Hauptbahnhof?

Lotte G: Den Ort kann man sich nicht immer aussuchen.

Melanie Mehlig: Haben Sie eine Schreibblockade? Man hat länger nichts mehr von Vac-Woman gehört.

Lotte G: Von wem?

Melanie Mehlig: Sie können doch ihre Superheldin nicht vergessen haben!

Lotte G: Ach ja, nee, nee! Natürlich habe ich sie nicht vergessen. Ich habe gerade so viel um die Ohren. Ich versuche mich als Philosophin zu etablieren und habe an verschiedenen Veranstaltungen teilgenommen.

Melanie Mehlig: Welche Anschauung vertreten Sie?

Lotte G: Ich schweige.

Melanie Mehlig: Was? Warum?

Lotte G: —

Melanie Mehlig: Frau G?

Lotte G: —

Melanie Mehlig: Ist das Interview hiermit beendet?

Lotte G: —

Melanie Mehlig: Frau G, vielen Dank für das Interview.

Lotte G: Verdacht auf Spionage

Es ist ruhig um Lotte G geworden in den letzen Monaten, nach dem grandiosen Sieg im Abba-Contest hörte man nichts mehr von ihr. Wie geht es ihr heute? Für Melanie Mehlig öffnete die sonst so öffentlichkeitsscheue Autorin die Pforten zu ihrer Villa in Dortmund-Eving.

 

Melanie Mehlig: Hallo Frau G, wir haben lange nichts mehr von Ihnen gehört. Woran lag das?
Lotte G: Ich darf da eigentlich nicht darüber reden. Eine geheime Organisation hatte mich gebeten, gewisse Informationen zu sammeln. Das hat Zeit in Anspruch genommen. Ääh..ooh..das schreiben Sie jetzt aber nicht oder?
Melanie Mehlig: Geheime Organisation? Sie meinen doch nicht einen Geheimdienst? NSA vielleicht?
Lotte G: Hahhahaha, ha. Neiiiin, äh.. nein. Nee, ich kenn die gar nicht, wer ist denn das?
Melanie Mehlig: Die National Security Agency. Sie steht in der Kritik mithilfe von Intellektuellen, sensible Daten in Deutschland ausspioniert zu haben.
Lotte G: Hihihihi, sie halten mich für intellektuell? (lacht verlegen)
Melanie Mehlig: Haben Sie den NSA unterstützt?
Lotte G: Ich..ääh..hihihihi.. ich möchte jetzt gerne über Vac-Woman sprechen. Es gibt ein neues Kapitel!
Melanie Mehlig: Aber Sie können doch dieses Thema nicht einfach so abtun!
Lotte G: Ich schätze die Amerikaner sehr wegen Elvis und Quentin Tarantino, mehr kann ich dazu nicht sagen. Und Cola, natürlich.
Melanie Mehlig: Aber…
Lotte G: Meine Schwiegermutter ist auch wieder da. Sie hätten sie Mal hören sollen!
Melanie Mehlig: Aber Frau G…
Lotte G: So, ich muss jetzt auch los. Habe einen Termin mit ..äääh.. Hubert. Ja, genau, Hubert Müller. Wegen äääh..Bratwurst.
Melanie Mehlig: Aber…
Lotte G : Tschüss, ne! Oder wie ich immer sage: Tschökes mit ökes!

 

Handgemenge auf der Vac-Woman Convention

Luxembourg Am Samstag den 13. Mai fand in der Stadthalle von Luxemburg die erste Vac-Woman Convention statt. Tausende von Fans der Superheldin kamen kostümiert zu dem Event und freuten sich, sich endlich persönlich austauschen zu können. Am Abend fand ein ABBA-Karaoke-Contest statt, die Schöpferin von Vac-Woman, Lotte G, ist bekennende ABBA-Fanatikerin. Obwohl es ein offener Wettbewerb sein sollte, gab es nur zwei Teilnehmer, da die Veranstaltung nur bis 22:00 genehmigt war und für andere Teilnehmer keine Zeit blieb.

Die zwei Teilnehmer waren @unleidlich und: Lotte G. Die Autorin fühlte sich bestärkt durch den Jubel der Fans und bestieg als erste die Bühne. Allerdings hatte es den Anschein, als ob die Veranstalter nicht damit gerechnet hatten, dass sie 21 Songs sang. Von einem Handgemenge wurde berichtet, als man ihr das Mikrofon wegnehmen wollte und angeblich gab es auch einen Bodycheck. Nur einem Hustenanfall sei es zu verdanken, dass Lotte G die Bühne verließ, so ein Zuschauer. Leider konnte @unleidlich sein Lied nur bis zur ersten Strophe singen, da um 22:00 der Strom abgestellt wurde und alle Zuschauer den Raum verließen. Der Pokal wurde Lotte G nachträglich zugesandt.

Lotte G – Das Interview

Sie scheut die Öffentlichkeit, Interviews mit ihr sind rar. Lotte G, die Schöpferin von Vac-Woman, ist keine Freundin der Selbstinszenierung. Da sie aber selbst eine Leserin des Magazins Igel Online ist, hat sie zugestimmt, mit unserer Reporterin Melanie Mehlig über ihre aktuellen Projekte zu sprechen. Frau G empfängt uns in ihrem Lieblingscafé „Die Flöte“. Sie trägt Plateustiefel und einen türkisfarbenen Satin-Overall mit Schlaghosen. Ihre wilde Mähne hat sie mit einem perlbesetzten Strinband gebändigt.
Melanie Mehlig: Frau G., man hat in den letzten Jahren nicht viel von Ihnen gehört, jetzt melden Sie sich mit „Vac-Woman- Wie alles begann“ zurück. Haben die Fans zu diesem Schritt bewegt?
Lotte G: Zum einen gab es viele Anfrage von Vac-Woman Anhängern, die Vac-Woman gerne zu ihrer Geburtsstunde zurück begleiten wollten. Zum anderen fühlte ich, dass die Geschichte nicht abgeschlossen werden kann, solange wir nicht wissen, woher Vac-Woman kommt.
Melanie Mehlig: Man wirft Ihnen vor, mit Vac-Woman eine sexistische Superheldin geschaffen zu haben, da sie nur Frauen hilft und Männer mit Staubbeuteln bewirft.
Lotte G: Ja, diese Vorwürfe sind mit bekannt, aber völlig haltlos. Sollte es jemals Männer geben, die im Haushalt genauso viel erledigen wie Frauen und Hilfe benötigen, würde Vac-Woman auch diesen Männern helfen. Aber das ist bislang nicht vorgekommen.
Melanie Mehlig: In Luxemburg fand neulich die erste Vac-Woman Convention statt. Auf Ihren Wunsch hin gab es einen ABBA-Karaoke Contest am Abend. Wie ist ABBA mit Vac-Woman in Verbindung zu bringen.
Lotte G: Vac-Woman ist ein großer Fan von ABBA. Sie holt sich viel Inspiration bei dieser großartigen Band. Ich übrigens auch. (Lotte G schaut etwas verträumt aus dem Café-Fenster)
Melanie Mehlig: Haben Sie deshalb 21 Lieder an dem Abend gesungen?
Lotte G: Ja, man hatte mich darum gebeten.
Melanie Mehlig: Es gab aber Gerüchte, dass Sie das Mikrofon nicht abgeben wollten.
Lotte G: Das sind nur Gerüchte, das war auch kein Bodycheck von mir, der Zuschauer ist ausgerutscht und mit dem Kopf auf dem Lautsprecher gelandet.
Melanie Mehlig: Den Pokal haben Sie sehr stolz angenommen.
Lotte G: Ja, natürlich. Immerhin habe ich 21 ABBA-Songs gesungen.
Melanie Mehlig: Danke, Frau G, für dieses Interview.